Motion-Capture-Technologie: metricminds im Interview
metricminds stellte auf dem animago seine spannenden neuen Wege in Bezug auf Motion-Capture-Techniken vor. Die Embody Technologie von CaptiveMotion ist dabei ein neuer Meilenstein in der Umsetzung.
Auf der animago CONFERENCE informiert das Frankfurter MoCap-Studio metricminds über eine neue Art der gesichtsanimation. Die so genannte Embody-Technologie soll, bedingt durch eine deutlich höhere Anzahl an Markern realistischere Ergebnisse für Spiele und Animationsfilme bringen. Im DP-Interview spricht Metricminds-Geschäftsführer Philip Weiss über die Möglichkeiten von Embody.
DP: Was ist technisch gesehen anders an der Embody-Technologie im Vergleich zur bisherigen Gesichtsanimation?
Philip Weiss: Bisher hat Motion Capture im Gesicht die gleiche Technologie benutzt, wie das optische Motion Capture für den Körper: Reflektierende Marker werden von mehreren Seiten aufgenommen und danach wird ihre Position errechnet. Hier gelten die gleichen Regeln der Physik wie im „großen“ Mocap-Studio. Die Marker müssen rund sein, damit das Licht sauber nach allen Richtungen zurückreflektiert werden kann. Die Kugelform ist außerdem wichtig, damit ihr Mittelpunkt gut von allen Perspektiven bestimmt werden kann, um die Genauigkeit zu gewährleisten. Der Prozess ist also nicht ganz unkompliziert und erfordert kleine Kügelchen auf dem Gesicht. Diese Kugelmarker haben zudem die Eigenschaft, dass sie sich nicht nur mit dem Gesicht bewegen, sondern aufgrund ihrer Aufhängung auch Eigenbewegungen und Zittern entwickeln. In der späteren Animation bewirken diese Bewegungen einen gummiartigen Effekt, der nicht unbedingt erwünscht ist. Ein weiterer Nachteil ist, dass die Marker leicht abfallen und ihre Reflexionskraft nachlässt, wenn sie schmutzig werden, oder mit Schweiß in Berührung kommen. Das Embody-Verfahren benutzt flache Marker, also Folienkreise, die auf das Gesicht aufgetragen werden. Diese werden strategisch positioniert, um eine gute Animierbarkeit der Daten zu gewährleisten. Momentan benutzt das Standard-Markerset etwa 1.400 Marker. Diese werden dann, ähnlich wie beim herkömmlichen Motion Capture, mit mehreren Kameras aufgenommen und getracked. Das Ergebnis ist ein animiertes Mesh, das auch die Ausrichtung der Kreise beinhaltet (Normalen). Dieses Mesh wird dann per Shrink-Wrap-Verfahren auf anders proportionierte Gesichter übertragen (Retargeting).
DP: Wann kann mit den ersten Produktionen gerechnet werden? Könnt ihr schon etwas zu den ersten Kunden sagen?
Philip Weiss: Die erste Produktion wird aller Wahrscheinlichkeit nach bereits im ersten Quartal 2010 erscheinen. Es handelt sich hier um ein Spiel. Leider kann ich im Moment noch nicht mehr darüber sagen. Wir sind aber mit sehr vielen Entwicklern im Gespräch und würden uns auch freuen, mit Interessenten aus dem Werbefilm oder anderen Medien Tests zu machen.
DP: metricminds ist exklusiver Partner für Europa. Was ist, wenn etwa ein Studio aus Deutschland in den USA einen Spieletitel produzieren und dabei auf Embody zurückgreifen möchte?
Philip Weiss: metricminds hat die exklusive Lizenz für das Betreiben eines Studios in Europa, das diese Technologie einsetzt. Wenn ein Kunde lieber in Arizona drehen möchte, kann er das gerne tun. Wir können hier auch Daten nachbearbeiten, die ein Kunde aus Amerika in Arizona gedreht hat und umgekehrt. Uns ist in erster Linie daran gelegen, dem Kunden einen guten Service zu liefern und grandiose Animationen zu erstellen. Wo das am Ende passiert, ist uns egal, solange das Studio zu unserem Club gehört.
Das gesamte Interview kann man in Ausgabe 06:09 der DIGITAL PRODUCTION nachlesen, mehr zu metricminds Technolgien auch im DP-Sonderheft animago AWARD und CONFERENCE 2009.