Uncanny Valley

Gewinner der Kategorie „Bester Kurzfilm“ im Jahr 2016: „Uncanny Valley“

2015 war 3dar aus Argentinien mit dem Animationskurzfilm „Shave it“ nur einer von vielen Wettbewerbsteilnehmern beim animago AWARD – im letzten Jahr erzielte das Team mit „Uncanny Valley“ nicht nur eine Nominierung, sondern auch direkt den Sieg. Das starke Storytelling mit Dokucharakter sowie die eindrucksvollen Effekte – die ohne Budget entstanden, da das Projekt ein privates von 3dar ist – veranlassten die Jury dazu, das fast zehn Minuten lange Werk mit der Trophäe für den besten Kurzfilm auszuzeichnen.

Im Tagesgeschäft arbeitet 3dar aus Buenos Aires an Werbeaufträgen für namhafte Kunden wie Sony, Dell und viele mehr. Am liebsten realisiert das Team allerdings experimentelle Privatprojekte, dabei sammelte es auch Erfahrungen mit VR-Projekten und entwickelte ein Virtual Reality Soccer.

Momentan ist VR zwar als DAS neue, hippe Technologie-Ding in aller Munde, in 2016 reichte es mit „Pokémon Go“ bislang allerdings nur zum Augmented-Reality-Hype (AR) übers Smartphone – und genauso schnell wie er über uns kam, ebbte er auch wieder ab. In der Digital-Branche wird derzeit viel mit der VR-Technologie ausprobiert und auch einige Vorzeigeprojekte realisiert, aber aktuell weiß noch niemand so richtig: Was konkret damit anstellen?

In der dystopischen Zukunft von „Uncanny Valley“ ist VR dagegen bereits mitten in Gesellschaft angekommen und hat nicht den erwarteten Segen gebracht. Im Gegenteil. Realitätsverweigerer flüchten sich nahezu den ganzen Tag in alternative Umgebungen und Realitäten. Dabei verkommen die VR-Abhängigen in heruntergekommenen Wohnungs-Baracken im wirklichen Leben völlig, weil sie dieses nicht mehr als lebenswert erachten.

Warten auf die Idee

Lustigerweise war das Skript für “Uncanny Valley“ schon fertig, bevor das 3dar-Team überhaupt mit der Umsetzung von VR-Projekten begann. Den Impuls für die Realisation gab Regisseur Federico Heller ein Science-Fiction-Script-Wettbewerb. „Nach fünf Tagen Brainstorming zum Thema VR stand die Filmidee. Wie sie entstand kann ich nicht wirklich erklären – am besten lässt es sich wohl mit dem Warten auf den Bus vergleichen: An der Haltestelle stehend vertraue darauf, dass irgendwann schon einer vorbeikommt. So funktioniert bei uns in Argentinien der Bus-Service tatsächlich!“ erklärt Heller schmunzelnd.

Federico Heller beim Dreh von "Uncanny Valley"
Federico Heller beim Dreh von "Uncanny Valley"

Dreh in Geisterstadt

Die Actionszenen filmte das Team aufgrund ihres 5K-Outputs und der HFR-Funktion mit einer RED Epic und die Interviewszenen mit einer Blackmagic-Kamera, weil sie kleinere Dateigrößen aufzeichnete und die Audio-Tracks besser integrierte. Die Luftaufnahmen entstanden mit einer Blackmagic Pocket an einer Drohne in der argentinischen Geisterstadt Epecuén, die 1985 aufgrund von ungewöhnlich starken Regenfällen für 25 Jahre im See versank. Seit 2009 zieht sich das Wasser wieder zurück und gibt die Stadtreste frei.

An diesem Ort filmen – ohne Strom mit schlammigem Untergrund – gestaltet sich äußerst kompliziert. Das Team zündete in dieser Einöde zwei Sprengsätze ohne Rauch, da dieser ansonsten bei starkem Wind die Shot-Kontinuität zerstört hätte. Diese Aufnahmen wurden in der Post gemotiontrackt und dafür mit dem Support der Firma Pyro FX, im Speziellen Artist Pablo Olievera, Smoke Dynamics simuliert. Für die finale Totale der apokalyptischen Stadt kombinierte das Team Matte Paintings von Olievera mit dem real gefilmten Stadt-Environment.

Grill-Hühnchen

Nach viel Herumexperimentieren stellte sich eine selbstgebaute Holzvorrichtung, auf der sich die Darsteller wie ein Hühnchen am Spieß langsam rotiert ließen, als am besten geeignet für den Effekt der im Raum schwebenden VR-Junkies heraus; für diese Szenen in den heruntergekommenen Wohnungen konnten ebenfalls reale Drehlocations gefunden werden.

Buntschillernde Aliens & Greenscreen

Einzig die Szenen auf dem Alien-Planeten wurden im Greenscreen gedreht, da die für diese Umgebung geeignete reale Landschaft mit 20 Stunden Autofahrt zu weit weg gewesen wäre. Für die finalen Shots klonten die Artists einen im Greenscreen gefilmten Soldaten-Darsteller, welcher mit Blick auf die Background-Integration mit einem Anzug und Helm ausstaffiert war, der einen erfolgreichen Chroma-Keys gewährleistete. Darüber hinaus verfolgte das Team schon am Drehset mit der bunten Beleuchtung ein vorab exakt festgelegtes Color-Script.

Die Ästhetik der Alien-Creatures entstand im ersten Schritt nicht im Computer: Das Team testete mit UV-Painting und ultraviolettem Licht verschiedene Bemalungen und beobachtete die Reaktion auf das Licht. Dieses Footage erhielt im Anschluss Anpassungen hinsichtlich Kontrast und Farbe; danach wurden die Ultraviolett-Shots auf 3D-Charactere übertragen, da sich so mehr Kontrolle über Kamera, Licht und die Bewegung ergab. „Während der Research-Phase sollten man den Computer so oft wie möglich verlassen. Auch wenn man zunächst denkt, das sei Zeitverschwendung, zahlt sich dieses Vorgehen immer aus“, rät Federico Heller.

Pläne

Heller arbeitet aktuell an einer geeigneten Weiterentwicklung des Konzepts für einen Feature Film, der genauso gut oder sogar besser als der Kurzfilm funktionieren soll. Wir würden ihn auf jeden Fall ansehen wollen!

(Mirja Fürst)

Behind the Scenes von „Uncanny Valley“

Credits „Uncanny Valley“

Studio: 3dar – Director & VFX-Supervisor: Federico Heller – Country: Argetinia – Software: 3ds Max, ZBrush, Maya, Houdini, V-Ray, After Effects, Nuke

Die zwei weiteren Nominierten in der Kategorie „Bester Kurzfilm“ waren im Jahr 2016:

„Citipati“

School: Filmakademie Baden-Württemberg – Director: Andreas Feix – Producer: Francesco Faranna – Music: Petteri Sainio – Sounddesign: Michael Boeger – Texturing: Natalia Alencar – Country: Germany – Software: 3ds Max, ZBrush, V-Ray, Nuke

“After the End”

School: The National Film and Television School – Director: Sam Southward – Country: Great Britain – Software: ZBrush, Maya, VRay, ZBrush, After Effects, Avid, Nuke