Isolation mit Katze – top beleuchtet

In diesem Jahr fand das Pause Creative, Tech und Business Event unter dem Thema „Different Perspective“ statt. In dem rund zwei Minuten langen Clip wandert ein schwarze Katze durch menschenleere Stadtumgebungen: Man sieht verlassene Großraumbüros, verwaiste U-Bahn- sowie Bushaltestellen und einsame Telefonzellen. Der Film soll ein Gefühl der Isolation wecken und die Kälte unserer heutigen Infrastruktur zeigen.

Kindheitserinnerungen

Inspirationshilfe für die Gestaltung der Opening Titles des Pause Festivals bot Xiaolin der Vorspann der Anime-Serie „Digimon: Digital Monsters“. Dort gibt es langsame Shots mit nächtlichen Stadtansichten zu sehen, die mit digitalen Elementen wie Ampeln und TV-Bildschirmen kombiniert wurden. Die Idee des Katzenprotagonisten lieferte das Indie-Game „HK“, in dem eine Mieze durch eine Cyberpunk-Stadtversion von Hong Kong wandert.

Das Ziel: Fotorealismus

Für den Look der Stadt-Environments nutzte Xiaolin Zeng zahlreiche Online-Referenzen von Neonbeleuchtungen und nächtlichen Stadtfotografien, die er möglichst genau digital nachbaute, damit die CG-Objekte im finalen Film möglichst realistisch erschienen.
Xiaolin hatte zuvor noch nicht viel Erfahrung mit dieser Art Arbeit gesammelt, sodass er eine Menge Referenzen eingehend studieren und lange herumprobieren musste, bis die richtige Balance zwischen dem Licht und den Texturen gefunden war.
Gemodelt wurde alles mit Maxons Cinema 4D. Im ersten Schritt erstellte der 3D-Artist mit dem in C4D integrierten Cube Tool die groben Formen des Environments. Durch dieses Vorgehen ist die Polygongröße der 3D Umgebungen nicht allzu hoch, weil die zahlreichen Details über die Texturen hinzugekommen sind. Einige Elemente wie Autos, Fahrräder und andere kleine Dinge, die nicht zwingend wichtig für die Szene sind aber den Detailgrad erhöhen, kaufte Xiaolin Zeng online ein.
Dies betraf auch die Katze, weil der Designer bislang noch nie die Gelegenheit hatte, CG-Tiere zu bauen und zu animieren. Das 3D-Modell, das von Turbosquid stammt, ist eine 3ds-Max-Datei mit allen benötigten Keyframes. Diese exportierte Xiaolin als .fbx-Datei, um sie in Cinema 4D verwenden zu können. Für einen Slow-Motion-Effekt schraubte er das Tempo der Bewegungsanimation zurück. Das Original-File besitzt kein Fell, dies entstand über das Built-in-Tool von Cinema 4D, indem 3 bis 4 Fell-Ebenen zur Katze hinzugefügt wurden. „Da das Environment sehr dunkel ist, war es ziemlich einfach, die schwarze 3D-Katze hineinzusetzen. Bei einer anderen Fellfarbe hätte sich das Ganze wesentlich komplizierter gestaltet“, so der Artist.

Geduld, Spucke & Neonlichter

Das komplexeste Environment in der Gestaltung war die Hong-Kong-Straße mit den zahlreichen Neon-Schildern. „Es war nicht wirklich hart, diese Art von Arbeit zu realisieren, aber sehr zeitfressend“, erinnert sich Xiaolin. Die Szenerie wird komplett von den Neon- und Straßenlichtern beleuchtet, dadurch wirkt das Environment wesentlich realistischer. „Damit das Setting der Lichter akkurat wirkt, ist am wichtigsten, dass man den echten Maßstab einhält und sich eng an den realen Referenzen orientiert. Darauf achte ich bei allen meinen fotorealistischen Arbeiten.“
Vor allem die enorme Arbeitsmenge bereitete während der Realisation Kopfzerbrechen: „Für eine Einzelperson war es ein sehr großes Projekt. Es war viel Geduld und Motivation nötig, um es durchzuziehen. Insgesamt brauchte ich 3 Monate, bis es fertig war,dabei gingen auch alle meine freien Tage und die Wochenenden drauf.“ Auch wenn Xiaolin so gut wie alles bei dem Projekt alleine stemmte, etwas Support erhielt er dann doch: Drei Freunde unterstützten ihn zu Beginn bei der Ideenfindung, bei der Musik und dem Sound-Design half das Studio Echoic Audio. Als das Animatic fertig war, lieferten die Soundspezialisten die Alpha-Version des Musik-Designs. Nach dem Rendering aller Shots und dem Compositing in After Effects schickte Xiaolin die finale Version an das Sound-Studio, woraufhin das Team die finale Komposition der Musik umsetzte, was nochmal einen Monat dauerte.

Rendering & Lighting

Gerendert wurde mit Octane in Cinema 4D. Für Xiaolin ist es speziell für Designer die anwenderfreundlichste Render Engine überhaupt: „Sie nimmt einem all die physikalischen Berechnungen ab. Der Nutzer muss nur noch ein paar Settings anpassen und alles ist erledigt. Durch den Einsatz des Path-Tracing-Modus konnte dabei viel Zeit gespart werden, weil sich damit immer exakte Ergebnisse erzielen ließen.“
Aber nicht alles war perfekt: Eines der Probleme mit Octane war, dass die Software nicht selbständig das Gewicht der gerenderten Lichter verteilen konnte. Bei vier Lichtern mit verschiedenen Beleuchtungsbereichen, für die Octane das gleiche Sampling vornahm, blieben einige Bereiche noisefrei, andere zeigten dagegen viele weiße Punkte. Der Visual Designer dazu: „Das machte eine manuelle Einstellung der Light Samples nötig. Bei Lichtern, die einen großen Bereich beleuchten, muss das Sampling hoch eingestellt werden, bei kleinen Lichtern muss es niedrig sein.“ Die Renderzeit versuchte der Artist immer auf 15 Minuten pro Frame zu begrenzen.

(Mirja Fürst)